Der Rettungssanitäter / Die Rettungssanitäterin

Ausbildung:

Die Ausbildung richtet sich nach den " Grundsätzen zur Ausbildung des Personals im Rettungsdienst " des Bund-Länderausschusses "Rettungswesen" vom 20 September 1977 und ist im Landesrettungsgesetz verankert. Die Asubildung umfasst 520 Stunden und gliedert sich in viert Teile:

  • Zuerst werden 160 Stunden theoretische Grundlagen ( Der Lehrgang wird in NRW auch als Rettungshelfer-Kurs bezeichnet.) gelernt. Dien behandelten Inhalte umfassen dabei Basiswissen zur Anatomie und Physiologie, allgemeine Inhalte und Maßnahmen der Notfallmedizin, spezielle Notfallkenntnisse zu wichtigen Fachgebieten ( Innere Medizin, Chirurgie, Neurologie, Psychiatrie, Pädiatrie etc.), weitere Themen zur Struktur des Rettungsdienstes sowie rechtliche und technische Inhalte. Praktische Übungen der Notfalltechniken sind ebenfalls ein integraler Bestandteil der Ausbildung.
  • Weitere 160 Stunden entfallen auf ein klinisches Praktikum in den Bereichen Notfallambulanz, Intensivstation und Anästhesie, in denen weitere medizinische Maßnahmen wie Vorbereiten einer Infusion, Assistens bei der Intubation, Umgang mit Medikamenten, Patientenüberwachung, (klinische) Patientendokumentation etc. vermittelt werden.
  • Ebenso erfolgt ein 160-stündiges Praktikum auf einer Lehrrettungswache mit der dazugehörigen Dokumentation der Praktikantenschichten und Ausbildungsinhalte.
  • Als letzter Teil folgt ein Abschlusslehrgang im Umfang von 40 Stunden mit anschließender Prüfung mit mündlichen, schriftlichen und praktischem Inhalt.

Der Rettungsassistent / Die Rettungsassistentin

"Die Zeiten des -Transportsanitäters- sind längst vorbei!"

Da gerade in der Anfangsphase einer Erkrankung oder Verletzung schnelle und vor allem hochqualifizierte Hilfe notwendig ist, schuf man ein neues, speziell für diesen Sektor ausgelegtes Berufsbild, welches die hohen Anforderungen der modernen Notfallmedizin gerercht werden sollte.

Der Beruf "Rettungsassistent/in" wurde durch die Einführung des Rettungsassistentengesetzes (RettAssG) am 10.Juli 1989 ins Leben gerufen.

Dies ist die zur Zeit höchste berufliche Qualifizierung im Nichtärztlichen Bereich des Rettungsdienstes.

Es ist ein gesetzlich geschützter und examinierter Gesundheitsfachberuf.

Der augebildete Rettungsassistent ist laut -RettAssG- zu folgenden Tätigkeiten befähigt:

 

  • Durchführung lebensrettender und erweiterter Maßnahmen bei Notfallpatienten bis zur Übernahme der Behandlung durch den Arzt/Notarzt.
  • Anwendung von bestimmten Maßnahmen und Medikamenten nach vorheriger Zertifizierung durch den Ärztlichen Leiter Rettungsdienst und des Maßnahmenkataloges der Bundesärztekammer.
  • Den Arzt in seinen Tätigkeiten assistierend zu unterstützen.
  • Die transportfähigkeit von Notfallpatienten herzustellen.
  • Die Lebenswichtigen Körperfunktionen während des Transportes zum Krankenhauszu beobachten und aufrechtzuerhalten.
  • Kranke, verletzte und sonstige Hilfsbedürftige Personen, auch soweit sie nicht Notfallpatienten sind, unter sachgerechter Betreuung zu befördern.

 

Ausbildungswege:

 

  • Die Ausbildung findet an " Berufsfachschulen für Rettungsassistenten " statt
  • Sie ist trotz staatlicher Förderung schulgeldpflichtig ( Die Ausbildungskosten variieren von Schule zu Schule )
  • Die Regelausbildungszeit beträgt 2 Jahre ( Vollzeit )
  • Eine Verkürzung ist unter bestimmten beruflichen Voraussetzungen möglich.
  • In die Berufslaufbahn eines Brandmeisters gehört die Qualifikation zum Rettungsassistenten dazu.

Lehrrettungsassistent / Praxisanleiter

Der Lehrrettungsassistent

Ein Lehrrettungsassistent (kurz: LRA oder LehrRettAss ) ist ein Rettungsassistent mit Lehrauftrag. Lehrrettungsassistenten haben daher eine zusätzliche Qualifikation im Bereich Methodik / Didaktik.

Aufgaben:

Der Lehrrettungsassistent arbeitet als Dozent ann einer Rettungsdienstschule oder als Praxisanleiter im Rettungsdienst und ist für die Aus- und Fortbildung auf Rettungswachen und Lehrrettungswachen zuständig. Der verantwortliche LRA muss Lehr- und Ausbildungspläne erstellen und schließlich die Erfolge kontrollieren und entsprechene Bescheinigungen ausstellen.

Da die Ausbildung und Qualifikation des Lehrrettungsassistenten weder im Rettungsassistentengesetz noch in der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung oder in den Rettungsdienstgesetzen der Länder geregelt ist, haben sich die Hilfsorganisationen auf gemeinsame Rahmenbedingungen über die Bezeichnung, die Tätigkeitsbeschreibung, das Anforderungsprofil, die Zulassungsvoraussetzungen, den Ausbildungsgang, die Prüfung und die Fortbildungspflicht geeinigt.

Aufgabenübersicht:

  • Vorbereitung (sowohl fachlich als auch organisatorisch ) des Rettungswachenpraktikums.
  • Dokumentationsüberwachung ( Berichtshefte etc. )
  • Praktikumsbescheinigungen
  • Beratung und Unterstützung für die Leitung der Einrichtung in Fragen der rettungsdienstlichen Praktikumsausbildung.
  • Sicherstellung der notwendigen verwaltungstechnischen Maßnahmen
  • Vorbereitung des Praktikanten auf das Abschlussgespräch
  • Durchführung des Abschlussgespräches mit dem verantwortlichen Arzt
  • Dokumentation und Bescheinigung des Abschlussgesprächergebnisses mit dem verantwortlichen Arzt
  • Zusammenarbeit mit rettungsdienstlichen Schulungseinrichtungen
  • Ansprechpartner für fachliche und organisatorische Fragen im Rettungsdienst.

Praxisanleiter im Rettungsdienst

Im Zuge der Novellierung im Rettungsdienst, kam zum LRA noch der an den Pflegeberuf angeglichene Praxisanleiter dazu. Der LRA hat eine 120 Stündige Ausbildung in den vorgenannten Bereichen, um die Qualifikation Praxisanleiter zu erreichen, muss jeder LRA noch eine 80 Stündige Zusatzqualifikation absolvieren. Das Aufgabengebiet des Praxisanleiters wurde in die Schule und den Klinikbereich erweitert.

Der Notfallsanitäter / Die Notfallsanitäterin

Ausbildung und Status

Der Beruf des Notfallsanitäters (in Deutschland in der Regel NotSan abgekürzt) hat den bisherigen Rettungsassistenten als höchste nichtärztliche Qualifikation im Rettungsdienst abgelöst und gehört zu den Gesundheitsfachberufen. Um der medizinischen Entwicklung im Rettungsdienst auch in der Ausbildung Rechnung zu tragen, unterscheidet sich die Ausbildung zum Notfallsanitäter dahingehend, dass sie von der bisherigen Ausbildung zum Beruf des Rettungsassistenten von zwei auf drei Jahre verlängert wurde. Das Notfallsanitätergesetz (NotSanG) und die aufgrund dieses Gesetzes erlassene Ausbildungs- und Prüfungsverordnung sind am 1. Januar 2014 in Kraft getreten. Das bisherige Rettungsassistentengesetz trat am 31. Dezember 2014 außer Kraft, um eine einjährige Übergangsphase bei der Ausbildung zu ermöglichen.

Als Zugangsvoraussetzung muss mindestens ein mittlerer schulischer Bildungsabschluss vorgewiesen werden. Hauptschüler müssen zusätzlich eine mindestens zweijährige Berufsausbildung absolviert haben (§ 8 Nr. 2 NotSanG).

Als neues Ausbildungsziel gilt, dass entsprechend dem allgemein anerkannten Stand rettungsdienstlicher, medizinischer und weiterer bezugswissenschaftlicher Erkenntnisse fachliche, personale, soziale und methodische Kompetenzen zur eigenverantwortlichen Durchführung und teamorientierten Mitwirkung insbesondere bei der notfallmedizinischen Versorgung und dem Transport von Patientinnen und Patienten vermittelt werden sollen (§ 4 Abs. 1 Satz 1 NotSanG).

Die Ausbildung zum Notfallsanitäter dauert unabhängig vom Zeitpunkt der staatlichen Prüfung in Vollzeitform drei Jahre, in Teilzeitform höchstens fünf Jahre. Sie besteht aus theoretischem und praktischem Unterricht und einer praktischen Ausbildung. Die Ausbildung schließt mit einer staatlichen Prüfung ab. Der theoretische und praktische Unterricht wird in staatlich anerkannten Schulen durchgeführt. In den Ländern, in denen die Ausbildung nach diesem Gesetz dem Schulrecht unterliegt, wird die Genehmigung zur Durchführung der Ausbildung den Schulen nach dem Schulrecht der Länder und nach Maßgabe von § 6 NotSanG erteilt. Die praktische Ausbildung wird an einer genehmigten Lehrrettungswache und an geeigneten Krankenhäusern durchgeführt. Die Gesamtverantwortung für die Organisation und Koordination des theoretischen und praktischen Unterrichts und der praktischen Ausbildung entsprechend dem Ausbildungsziel trägt die Schule. Die Schule unterstützt die praktische Ausbildung durch Praxisbegleitung.

Folgende Punkte sind als Ausbildungsziele im Notfallsanitätergesetz niedergeschrieben:

  • 1. die folgenden Aufgaben eigenverantwortlich auszuführen:

    • a) Feststellen und Erfassen der Lage am Einsatzort und unverzügliche Einleitung notwendiger allgemeiner Maßnahmen zur Gefahrenabwehr,
    • b) Beurteilen des Gesundheitszustandes von erkrankten und verletzten Personen, insbesondere Erkennen einer vitalen Bedrohung, Entscheiden über die Notwendigkeit, eine Notärztin oder einen Notarzt, weiteres Personal, weitere Rettungsmittel oder sonstige ärztliche Hilfe nachzufordern, sowie Umsetzen der erforderlichen Maßnahmen,
    • c) Durchführen medizinischer Maßnahmen der Erstversorgung bei Patienten im Notfalleinsatz und dabei Anwenden von in der Ausbildung erlernten und beherrschten, auch invasiven Maßnahmen, um einer Verschlechterung der Situation der Patienten bis zum Eintreffen des Notarztes oder dem Beginn einer weiteren ärztlichen Versorgung vorzubeugen, wenn ein lebensgefährlicher Zustand vorliegt oder wesentliche Folgeschäden zu erwarten sind,
    • d) angemessenes Umgehen mit Menschen in Notfall- und Krisensituationen,
    • e) Herstellen und Sichern der Transportfähigkeit der Patienten im Notfalleinsatz,
    • f) Auswählen des geeigneten Transportzielortes sowie Überwachen des medizinischen Zustandes der Patienten und seiner Entwicklung während des Transports,
    • g) sachgerechtes Übergeben der Patienten in die ärztliche Weiterbehandlung einschließlich Beschreiben und Dokumentieren ihres medizinischen Zustandes und seiner Entwicklung,
    • h) Kommunizieren mit am Einsatz beteiligten oder zu beteiligenden Personen, Institutionen oder Behörden,
    • i) Durchführen von qualitätssichernden und organisatorischen Maßnahmen im Rettungsdienst sowie Dokumentieren der angewendeten notfallmedizinischen und einsatztaktischen Maßnahmen und
    • j) Sicherstellen der Einsatz- und Betriebsfähigkeit der Rettungsmittel einschließlich Beachten sowie Einhalten der Hygienevorschriften und rechtlichen Arbeits- und Unfallschutzvorschriften;

  • 2. die folgenden Aufgaben im Rahmen der Mitwirkung auszuführen:

    • a) Assistieren bei der ärztlichen Notfall- und Akutversorgung von Patienten im Notfalleinsatz,
    • b) eigenständiges Durchführen ärztlich veranlasster Maßnahmen bei Patienten im Notfalleinsatz und
    • c) eigenständiges Durchführen von heilkundlichen Maßnahmen, die vom Ärztlichen Leiter Rettungsdienst oder entsprechend verantwortlichen Ärzten bei bestimmten notfallmedizinischen Zustandsbildern und -situationen standardmäßig vorgegeben, überprüft und verantwortet werden;

  • 3. mit anderen Berufsgruppen und Menschen am Einsatzort, beim Transport und bei der Übergabe unter angemessener Berücksichtigung der Gesamtlage vom individual-medizinischen Einzelfall bis zum Großschadens- und Katastrophenfall patientenorientiert zusammenzuarbeiten.

Die praktische Ausbildung findet zum einen in einer staatlich anerkannten Lehrrettungswache im Umfang von 1960 Stunden und zum anderen in einem geeigneten Krankenhaus im Umfang von 720 Stunden statt. Sie umfasst im Einzelnen:

  • Rettungswache

    • Dienst an einer Rettungswache
    • Durchführung und Organisation von Krankentransporten
    • Durchführung und Organisation von Einsätzen in der Notfallrettung

  • Krankenhaus

    • Pflegeabteilung
    • Interdisziplinäre Notfallaufnahme
    • Anästhesie- und OP-Abteilung
    • Intensivmedizinische Abteilung
    • Geburtshilfliche, pädiatrische oder kinderchirurgische Fachabteilung/Intensivstation oder Station mit entsprechenden Patienten
    • Psychiatrische, gerontopsychiatrische oder gerontologische Fachabteilung

Die Ausbildung schließt mit einer staatlichen Prüfung ab, die einen schriftlichen, mündlichen und praktischen Teil umfasst. Die Prüfung ist an der Schule abzulegen, bei der die Ausbildung abgeschlossen wird.

 

Der Weg vom Rettungsassistent zum Notfallsanitäter

Rettungsassistenten, die bei Inkrafttreten dieses Gesetzes eine mindestens fünfjährige Tätigkeit als Rettungsassistentin oder Rettungsassistent nachweisen, erhalten die Erlaubnis, die Berufsbezeichnung „Notfallsanitäterin“ oder „Notfallsanitäter“ zu führen, wenn sie innerhalb von sieben Jahren nach Inkrafttreten dieses Gesetzes die staatliche Ergänzungsprüfung bestehen.

Rettungsassistenten, die eine mindestens dreijährige Tätigkeit als Rettungsassistent nachweisen, erhalten die Erlaubnis, die Berufsbezeichnung „Notfallsanitäterin“ bzw. „Notfallsanitäter“ zu führen, wenn sie innerhalb von sieben Jahren nach Inkrafttreten dieses Gesetzes zur Vorbereitung auf die Ergänzungsprüfung an einer weiteren Ausbildung von 480 Stunden teilgenommen haben und die staatliche Ergänzungsprüfung bestehen.

Rettungsassistenten, die eine geringere als eine dreijährige Tätigkeit bzw. keine Tätigkeit als Rettungsassistent nachweisen, erhalten die Erlaubnis, die Berufsbezeichnung „Notfallsanitäterin“ bzw. „Notfallsanitäter“ zu führen, wenn sie innerhalb von sieben Jahren nach Inkrafttreten dieses Gesetzes zur Vorbereitung auf die Ergänzungsprüfung an einer weiteren Ausbildung von 960 Stunden teilgenommen haben und die staatliche Ergänzungsprüfung bestehen.

Regelkompetenzen

Die Regelkompetenzen eines Notfallsanitäters unterscheiden sich nicht von denen eines Rettungsassistenten. Heilberufliche Maßnahmen, die der Notfallsanitäter im Rahmen von SOP durchführen kann, liegen in der Verantwortung des jeweiligen Ärztlichen Leiters des Rettungsdienstbereiches. Liegt diese Verantwortlichkeit und Haftung eines approbierten Arztes nicht vor, kann der Notfallsanitäter so wie der Rettungsassistent nur im Rahmen des Rechtfertigen Notstandes § 34 StGB handeln. Von ärztlichen Fachgremien, wie zum Beispiel dem Marburger Bund oder der Bundesärztekammer, wird die Durchführung von ärztlichen Maßnahmen durch Notfallsanitäter scharf kritisiert. Mit insgesamt drei Jahren Ausbildung oder einer mehrwöchigen Ergänzungsausbildung für Rettungsassistenten sieht man den Notfallsanitäter als nicht ausreichend qualifiziert an, um ärztliche Maßnahmen sicher am Notfallpatienten durchführen zu können und rechnet mit einer Überforderung der Berufsgruppe Notfallsanitäter. Darüber hinaus habe der Notfallsanitäter kaum Möglichkeiten seine Fähigkeiten ausreichend zu trainieren, weil sich letztlich nur im regelmäßigen Praxis- oder Klinikalltag eine gewisse Routine im Umgang mit entsprechenden Maßnahmen erlangen lasse.